
Jucken, Brennen oder ungewöhnlicher Ausfluss im Intimbereich? Dahinter kann ein Scheidenpilz stecken – aber nicht jede Irritation ist automatisch eine Pilzinfektion. Dr. med. Martin Kägi erklärt, woran man einen Scheidenpilz erkennt, welche Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen und warum eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Was ist ein Scheidenpilz?
Ein Scheidenpilz, medizinisch Vulvovaginalkandidose, ist eine Infektion mit Hefepilzen der Gattung Candida. Am häufigsten ist Candida albicans der Auslöser.
Candida kann bei gesunden Frauen in der Scheide vorkommen, ohne Beschwerden zu verursachen. Erst wenn sich der Pilz stärker vermehrt und eine Entzündungsreaktion entsteht, treten typische Symptome auf. Ein Nachweis von Candida allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Behandlung notwendig ist.
Welche Symptome sind typisch?
Typische Beschwerden sind vor allem:
- starker Juckreiz im Intimbereich
- Brennen oder Wundgefühl
- Rötung und Schwellung der Vulva
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Brennen beim Wasserlassen
- weisslicher, teilweise dicklicher oder krümeliger Ausfluss
- bei stärkeren Entzündungen kleine, schmerzhafte Hautrisse
Allerdings müssen nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten. Der typische weisse, krümelige Ausfluss ist ebenfalls nicht zwingend vorhanden. Wichtig ist deshalb: Die Beschwerden allein beweisen noch keinen Scheidenpilz.
Warum entsteht ein Scheidenpilz?
Ein Scheidenpilz hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Im Gegenteil: Häufiges Waschen, aggressive Intimprodukte oder Vaginalduschen können die empfindliche Haut und Schleimhaut reizen.
Das Wachstum von Candida kann unter anderem durch Antibiotika, Schwangerschaft, Diabetes oder eine geschwächte Immunabwehr begünstigt werden. Bei vielen Frauen lässt sich allerdings kein eindeutiger Auslöser feststellen.
Scheidenpilz oder bakterielle Vaginose?
Diese beiden Erkrankungen werden häufig verwechselt. Bei einem Scheidenpilz stehen meist Juckreiz, Brennen und Rötung im Vordergrund. Der Ausfluss kann weisslich und dicklich sein.
Bei einer bakteriellen Vaginose ist der Ausfluss dagegen häufig dünnflüssiger und kann einen auffälligen, fischigen Geruch haben.
Auch sexuell übertragbare Infektionen oder Hauterkrankungen wie Ekzeme können ähnliche Beschwerden verursachen. Deshalb sollte insbesondere bei erstmaligen oder ungewöhnlichen Symptomen die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Wie wird ein Scheidenpilz diagnostiziert?
Entscheidend sind die Beschwerden und die Untersuchung. Je nach Situation kann zusätzlich ein Abstrich oder eine mikroskopische Untersuchung sinnvoll sein.
Das ist insbesondere bei wiederkehrenden, ungewöhnlichen oder therapieresistenten Beschwerden wichtig. Denn nicht jede Candida-Art reagiert gleich gut auf die üblichen Medikamente. Zudem kann eine wiederholte Selbstbehandlung dazu führen, dass eine andere Ursache der Beschwerden übersehen wird.
Was hilft gegen Scheidenpilz?
Ein unkomplizierter Scheidenpilz lässt sich in der Regel gut mit Antipilzmitteln (Antimykotika) behandeln. Je nach Situation kommen lokale Präparate wie Vaginalcremes oder Vaginaltabletten oder Tabletten zum Schlucken infrage.
Welche Therapie sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Schwere der Beschwerden, der Häufigkeit des Auftretens und der zugrunde liegenden Candida-Art ab.
Helfen Hausmittel gegen Scheidenpilz?
Im Internet finden sich zahlreiche Empfehlungen – beispielsweise Joghurt, Kokosöl oder ätherische Öle. Für die Wirksamkeit solcher Hausmittel gibt es jedoch keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege. Einige Substanzen können die empfindliche Haut und Schleimhaut sogar zusätzlich reizen. Auch Probiotika sind keine etablierte Alternative zur Behandlung einer akuten Vulvovaginalkandidose.
Warum kommt der Scheidenpilz immer wieder?
Bei manchen Frauen treten Scheidenpilzinfektionen wiederholt auf. Eine rezidivierende Vulvovaginalkandidose liegt gemäss medizinischer Definition bei mindestens drei symptomatischen Episoden innerhalb eines Jahres vor.
Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte man nicht einfach immer wieder dasselbe Antipilzmittel verwenden. Es sollte überprüft werden, ob tatsächlich jedes Mal Candida die Ursache ist und welche Candida-Art vorliegt. Je nach Befund kann eine länger dauernde oder angepasste Behandlung notwendig sein.
Ist Scheidenpilz ansteckend?
Ein unkomplizierter Scheidenpilz gilt nicht als typische sexuell übertragbare Infektion. Eine Behandlung des Partners ist normalerweise nicht erforderlich, wenn dieser keine Beschwerden hat. Männer können allerdings selbst eine Entzündung der Eichel entwickeln und sollten sich bei entsprechenden Symptomen untersuchen lassen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine ärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll,
- wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten,
- wenn eine Selbstbehandlung nicht hilft,
- wenn die Beschwerden immer wiederkehren,
- während einer Schwangerschaft,
- bei starken Schmerzen oder ausgeprägter Schwellung,
- bei ungewöhnlichem oder stark riechendem Ausfluss,
- bei Blutungen, Fieber oder Unterbauchschmerzen,
- oder wenn eine sexuell übertragbare Infektion möglich ist.
Denn hinter vermeintlichem Scheidenpilz können auch andere Infektionen oder Hauterkrankungen stecken.
Fazit: Nicht jedes Jucken ist ein Scheidenpilz
Jucken, Brennen und Rötungen im Intimbereich sind häufig und können sehr unangenehm sein. Entscheidend ist jedoch, die richtige Ursache zu erkennen. Besonders bei erstmaligen, anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden ist eine genaue Abklärung sinnvoll. So kann gezielt behandelt werden, anstatt wiederholt ein Medikament gegen einen vermeintlichen Scheidenpilz einzusetzen.
Dr. med. Martin Kägi, leitender Arzt am Hautzentrum Zürich, verfügt über langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von Haut- und Geschlechtskrankheiten.
Häufige Fragen zum Scheidenpilz
- Wie erkenne ich einen Scheidenpilz?
Typisch sind Juckreiz, Brennen, Rötung und teilweise weisslicher, dicklicher Ausfluss. Die Symptome können jedoch auch andere Ursachen haben.
- Was hilft schnell gegen Scheidenpilz?
Bei einem unkomplizierten Scheidenpilz können geeignete Antipilzmittel wirksam sein. Die passende Behandlung hängt von der individuellen Situation ab.
- Kann man Scheidenpilz selbst behandeln?
Bei einem bereits bekannten, unkomplizierten Scheidenpilz kann eine Selbstbehandlung möglich sein. Bei erstmaligen, anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
- Warum bekomme ich immer wieder Scheidenpilz?
Wiederkehrende Beschwerden können verschiedene Ursachen haben. Wichtig ist zunächst zu klären, ob tatsächlich jedes Mal ein Scheidenpilz vorliegt.
- Ist Scheidenpilz eine sexuell übertragbare Krankheit?
Nein. Ein unkomplizierter Scheidenpilz gilt nicht als typische sexuell übertragbare Infektion.
- Kann Scheidenpilz während der Schwangerschaft auftreten?
Ja. Eine Behandlung sollte während der Schwangerschaft immer ärztlich abgestimmt werden. Orale Fluconazol-Tabletten sollten nicht eigenständig eingenommen werden.
- Kann Scheidenpilz nach der Einnahme von Antibiotika auftreten?
Ja, Antibiotika können das natürliche bakterielle Gleichgewicht verändern. Dadurch kann sich Candida leichter vermehren.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Beratung.
Haben Sie Jucken, Brennen oder Reizungen im Intimbereich? Im Hautzentrum Zürich klären wir die Ursache ab und besprechen mit Ihnen die individuell passende Behandlung.
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